1.1
Kommunikation
| Kommunikation ist ein alltägliches
Phänomen. Jeder von uns kommuniziert wahrscheinlich
tagtäglich mit einer Vielzahl von Personen.
Dabei bedienen wir uns unterschiedlicher Mittel
wie der Sprache oder eben auch nonverbaler Signale
wie z.B. der Gestik oder Mimik. |
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Das Wort Kommunikation
stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde dem lateinischen
communicatio entlehnt. Es bedeutete damals soviel
wie Mitteilung, Unterredung. Seit dem 20. Jahrhundert
steht es auch für Verständigung und Informationsaustausch.
(Vgl. Duden, 2001, S. 431)
In Mayers großem Standardlexikon findet sich
folgende Definition von Kommunikation:
„... Bez.
für den [Informations]austausch als grundlegende
Notwendigkeit menschl. Lebens in 3 Hauptformen:
1. intrapersonale Kommunikation als der Austausch,
der innerhalb eines Individuums (...) abläuft
(...); 2. interpersonale Kommunikation als Austausch
zw. mindestens 2 Individuen (Gesprächspartnern);
3. mediengebundene Kommunikation als Austausch zw.
der (kleinen) Gruppe von Kommunikatoren (...) und
der (häufig umfangreichen) Gruppe von Rezipienten...“
(Meyers großes Standardlexikon, 1982, S. 307)
Für diese Arbeit
ist vor allem die interpersonale Kommunikation zwischen
Individuen von Bedeutung, da wir auf die nonverbalen
Signale eingehen möchten, die sich direkt auf
andere Personen beziehen.
Burkart betrachtet Kommunikation als soziale Handlung:
„Ein ‚kommunizierender’ Mensch ist
einer, der etwas in Hinblick auf (mindestens) einen
anderen Menschen tut – er handelt also ‚zutiefst’
sozial.“ (Burkart, 2002, S. 25) Bedeutend ist
also vor allem, dass Kommunikation in Bezug auf andere
Menschen geschieht.
1.2 Der Kommunikationsprozess
Kommunikation kann man als einen wechselseitigen „Prozess
der [vollzogenen] Bedeutungsvermittlung zwischen Lebewesen“
(Burkart, 2002, S. 30) beschreiben. An diesem Prozess
nehmen also mindestens zwei Individuen teil, die miteinander
kommunizieren.
| Um Mitteilungen von einem Individuum
zum anderen transportieren zu können ist
ein Medium notwendig. Ein Medium ist also Bestandteil
jedes Kommunikationsprozesses. (Vgl. Burkart,
2002, S. 35) Ein solches Medium kann zum Beispiel
die Sprache sein oder aber auch ein nonverbales
Signal wie z.B. ein Lächeln oder Nicken. |
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Beim Kommunikationsprozess
gibt es also einen Sender, einen Empfänger und
die Mitteilung selbst. Der Sender versucht dem Empfänger
eine Mitteilung zu übermitteln, und dazu bedient
er sich eines Mediums. In vielen Fällen wird
dies Sprache sein. Doch diese wird auch von einer
großen Zahl von nonverbalen Signalen begleitet,
die zum Teil bewusst und zum Teil auch unbewusst gesendet
werden. Ebenso kann die Sprache durch nonverbale Kommunikation
zum Teil sogar ersetzt werden.
1.3 Nonverbale Kommunikation
Das Wort nonverbal bedeutet „nicht mithilfe
der Sprache“. (Duden, 1996, S. 527) Man könnte
also sagen, nonverbale Kommunikation ist die Kommunikation,
die nicht mit Hilfe der Sprache stattfindet.
Grundsätzlich sind nonverbale Signale rein physische
Körperbewegungen, die durch die Bedeutung, die
sie für Empfänger und Sender haben, wichtig
werden. (Vgl. Argyle, 2005, S. 62)
Nach Herkner ist der Begriff „nonverbale Kommunikation“
allerdings nicht ideal gewählt, da er sich auch
auf Aspekte des verbalen Verhaltens wie z.B. Sprechgeschwindigkeit
und Tonfall bezieht. (Vgl. Herkner, 2001, S. 278)
Zu den Signalen der nonverbalen Kommunikation zählen
Gesten, Bewegungen des Kopfes, andere Körperbewegungen,
Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Blickrichtung,
räumliche Nähe, Einstellung, Körperkontakt,
Orientierung, Tonfall und andere nonverbale Aspekte
in Sprache, Kleidung und Schmuck. Diese Bereiche kann
man nun auch noch weiter unterteilen (am Beispiel
unterschiedlicher Blicke: der Blick während des
Sprechens oder während des Zuhörens, sich
gegenseitig ansehen, die Länge von Blicke etc.).
(Vgl. Argyle, 2005, S. 13)
Altorfer sieht nonverbaler Kommunikation als einen
Teil des kommunikativen Systems, der eine ergänzende
oder ersetzende Funktion zum verbalen Zeichenkomplex
darstellt. (Vgl. Altorfer, 2002, S. 35) Nonverbale
Kommunikation und verbale Kommunikation stehen also
in einem engen Zusammenhang.
1.4 Funktionen nonverbaler Kommunikation
Nach Scherer lassen sich vier verschiedene Funktionen
von nonverbaler Kommunikation unterscheiden: Verbale
Aussagen können durch nichtverbale Verhaltensweisen
verstärkt oder abgeschwächt werden (Modifikation),
durch zusätzliche nichtverbale Anteile im Inhalt
verstärkt werden (Expression), vollständig
ersetzt werden (Substitution) oder durch gegensätzliche
Verhaltensmuster in Frage gestellt werden (Kontradiktion).
(Vgl. Altorfer, 2002, S. 35)
Frey betrachtet nonverbale Kommunikation wiederum
als „Mittel zur Regulierung der zwischenmenschlichen
Beziehung.“ (Frey, 1984, S. 8)
In unserer Gesellschaft hat nonverbale Kommunikation
eine Reihe von Funktionen. Nach Argyle findet sie
in den folgenden Bereichen eine Anwendung: „Unterstützung
der Sprache, Ersatz für die Sprache, Ausdruck
von Emotionen, Ausdruck von interpersonalen Einstellungen,
Mitteilungen über die Person, in Zeremonien und
Riten, in der Werbung, bei politischen Veranstaltungen
und Demonstrationen [und] in den Künsten.“
(Argyle, 2005, S. 58)
1.5 Verbale vs. Nonverbale
Kommunikation
Dass verbale Kommunikation und nonverbale Kommunikation
voneinander nicht unabhängig sind, haben wir
schon gesehen. Jede sprachliche Kommunikation wird
in gewissem Grad von nonverbalen Signalen begleitet.
Sie kann dadurch ergänzt und sogar ersetzt werden.
Zunächst stellt sich die Frage, wie nun verbale
und nonverbale Kommunikation genau zusammenhängen
und welchen Einfluss sie aufeinander haben.
Sprache selbst dient der Verständigung –
mittels Sprache können sich Menschen verständigen.
Aber auch viele nonverbale Mitteilungen sind eng mit
dem Sprechen verbunden. Sprache wird von diesen nonverbalen
Mitteilungen unterstützt und verstärkt.
(Vgl. Argyle, 2005, S. 14) Nonverbale Kommunikation
bildet sozusagen den Hintergrund um sprachliche Aussagen
zu interpretieren. (Vgl. Frey, 1984, S. 11)
Gewöhnlich beruht verbales Verhalten auf Sprechakten,
es
„... schließt
aber auch Geschriebenes ein sowie Gesten, die für
Buchstaben oder Worte stehen. Jedenfalls ist das
Sprechen durchwegs von komplizierten nonverbalen
Signalen begleitet, die die Rede veranschaulichen,
ein Feedback geben und durch eine Synchronisierung
helfen.“ (Argyle, 2005, S. 17)
Diese nonverbalen
Verhaltensweisen haben die Fähigkeit, „den
Sprachfluss zwischen den Sprechern zu koordinieren,
inhaltliche Aspekte hinsichtlich feiner Bedeutungsunterschiede
zu optimieren, oder sprachersetzende bedeutungstragende
Elemente zu generieren.“ (Altorfer, 2002, S.
78) Ihnen kommt also im Kommunikationsprozess eine
wichtige Rolle zu, die einen entscheidenden Beitrag
zum Verstehen leisten kann.
Im Zusammenhang mit Sprache, kann man zwei Arten von
nonverbaler Kommunikation unterscheiden: motorische
Verhaltensweisen (Bewegungen, die einfach, kurz, repetitiv
und mit der Sprache koordiniert sind aber keine inhaltliche
Beziehung zum sprachlichen Inhalt haben) und lexikalische
Verhaltensweisen (Bewegungen mit wenigem repetitiven
Charakter, längerer Dauer und klarem inhaltlichen
Bezug zum Gesprochenen). (Vgl. Altorfer, 2002. S.
86)
Die Autoren sind sich dabei über die Wichtigkeit
der nonverbalen Kommunikation einig. Annahmen gehen
dahin, dass 60% bis manchmal sogar 90% der Information,
in der interpersonalen Kommunikation über nichtverbale
Zeichen erfolgt. (Vgl. Altorfer, 2002, S. 33) In Untersuchungen
von Mehrabian konnte festgestellt werden, dass nur
ca. 7% der
„emotionalen
Bedeutung einer Botschaft durch den expliziten verbalen
Kanal transportiert wird. Über 38 Prozent wird
per Paralinguistik (Tonhöhe, Sprachmelodie,
Wortbetonung usw.) kommuniziert. Über 55 Prozent
der Bedeutungen gelangen über das nonverbale
Verhalten in Gestalt von Gesten, Körperhaltungen,
Gesichtsausdruck usw. zum Kommunikationspartner.“
(http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Komm
Nonverbale 1.shtml [12.06.2006])
Nonverbale Kommunikation
ist also in sehr großem Ausmaß an der
Bedeutungsvermittlung beteiligt.
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